Sunday Inspiration

„Wie ist das eigentlich, wenn man einfach nur sein darf? […] Morgens aufsteht, das Fenster öffnet, die Luft atmet und froh ist? Froh, Freunde zu haben, Eltern, eine Familie? […] Was gäben wir dafür, die Welt aus der Sicht eines Kindes, das wir selbst einmal waren, zu sehen? Als eine Sensation die nächste jagte, als wir aus dem Staunen nicht mehr herauskamen, zu aufgeregt zum Schlafen und müde von allen den Eindrücken? Wir waren wir verzaubert von neuen Geräuschen und Gerüchen und all dem, was uns in den Sinn kam. Wir phantasierten, wie erfanden, wir spielten uns ins Leben. Wir waren Könige, keine Knechte. Wir träumten uns auf den Mond und schwebten durch die Zeit. Es war, als hätten die anderen nur auf uns Himmelsstürmer gewartet. Wie einfach war das!

Wie schwer ist das Leben geworden, seitdem. Die Leichtigkeit ist verflogen, anstrengend so vieles. Was ist aus der Begeisterung von damals geworden? Aus dem Empfinden, dass jede Sekunde einen neuen Augenblick bereithält, jede Minute aufregende Bewegungen, jede Stunde eine andere Sicht auf die Dinge?

Nun sind wir, erwachsen und der Kindheit entwachsen, aus dem Staunen längst heraus. Die Pflicht, die Verantwortung, die Gewöhnung hat verschüttet, was war. Das Einfache ist kompliziert geworden. Das Langsame schnell. Das Große klein. Wir nehmen uns nicht mehr Zeit, die Zeit nimmt uns. Wir drehen am Rad. Sind müde und erschöpft, fühlen uns ausgelaugt und überfordert. Das Leben ist zu einem Stresstest geworden, effizient soll es sein, perfekt, optimiert. Alles muss Sinn machen, einen Zweck haben, unser Dasein ist Analyse. Wir werten und werden bewertet.[…]

Wir rasen durchs Sein und vergessen zu sein

Beugen uns wie selbstverständlich Zwängen, ohne sie in Frage zu stellen.[…] Wir beschäftigen uns mit allem und jedem. Aber was ist mir unserem eigenen Leben? Wer sind wir und was wollen wir?

Sind wir der, der wir sein wollten?

Oder der, der wir sein sollten?

Es ist schwer zu sagen, was damals, als wir klein waren, alles in uns steckte. Wovon wir träumten, wofür wir uns begeisterten. Was uns antrieb. und wofür wir eine Begabung mitbrachten. Hast Du Dich schon einmal überlegt, welche Deiner Talente brachliegen und in Deinem Leben bisher keine Rolle spielten? Und hast Du ein Ahnung davon, welche Talente in Deinen Kindern schlummern? Was sie wirklich gut können? […]

Lehnen wir uns noch ein einmal zurück und versuchen wir zu vergessen, welche Vorstellungen wir oder andere davon haben, wie ein Kind gefälligst zu sein hat. Vielleicht müssen wir diese Übung auch noch drei- oder viermal wiederholen. Aber irgendwann werden wir verstehen, wer da vor uns steht: ein Kind, das sich im Leben zurechtzufinden versucht. so, wie wir damals, als wir noch klein waren. Und so, wie wir es auch jetzt noch immer versuchen. Und wir sehen ein Kind, das leben will, das glücklich sein und gemocht werden will, wie wir.

Und das vor allem so gesehen werden möchte, wie es ist, und nicht so, wie es sein sollte. Unser Kind, jedes Kind sucht also in Wirklichkeit genau das, was wir uns im Grunde unserer Herzens auch wünschen.

Denn das ist unsere Sehnsucht:

erkannt zu werden.

Wir wollen erkannt werden in unserem Wesen, mit unseren Stärken und Schwächen,

und so wollen wir auch geliebt werden.

Gesamter Text: Gerald Hüther, aus dem Buch „Jedes Kind ist hochbegabt“

Vielleicht sollten wir unseren Kindern, unseren Familien und uns selber genau das (zu Weihnachten) schenken.

Vielleicht braucht es nicht das 99igste schön mit Liebe verpackte Geschenk. Vielleicht wäre es viel einfacher. Vielleicht ist es möglich Kleines wieder Groß zumachen: Mit einem Augen-Blick, der den anderen fühlen lässt, dass wir ihn sehen, ganz so wie er gerade ist – ohne Wenn und Aber.

Ich wünsche Dir eine Woche voller sehen und gesehen werden! Schön, dass es DICH gibt.

Herzensgrüße zu Dir

Heike

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