Sunday Inspiration

Ein paar Büchertipps zum Thema Selbstfürsorge für Mütter, Väter und als Paar – zum schenken, zum sich wünschen oder zum sich selbst beschenken. (KEINE WERBUNG)

Die Bücher:

  • Leitwölfe sein (Rezension)
  • Mann und Vater sein
  • Der Weg der Kaiserin (weil Frau mehr ist als Mama 😉 )
  • Liebende bleiben (Wo bleiben wir als Paar? )
  • Vom Nehmen und Genommen werden (Sich als Frau und Mann bewusst begegnen – Qualitytime als Paar)

REZENSION „Leitwölfe sein“ entnommen der WEBSITE: Das gewünschteste Wunschkind

„Heute erscheint das neue Buch von Jesper Juul: „Leitwölfe sein – Liebevolle Führung in der Familie“. Dank des BELTZ-Verlages, der uns freundlicherweise ein Rezensionsexemplar zur Verfügung stellte, können wir es Euch heute schon vorstellen.

Das Buch

In der Einleitung fasst Juul den Inhalt des Buches wie folgt zusammen:
„Es geht darum, seine Kinder kennenzulernen, ihre persönlichen Grenzen kennenzulernen, sich diesen gegenüber respektvoll zu verhalten und mit seinen Kindern so authentisch wie möglich umzugehen“.

1 Kinder wollen Erwachsene, die die Führung übernehmen

Kinder benötigen Führung, um fruchtbare und tragfähige Beziehungen aufzubauen. Führung heißt jedoch nicht, dass man ihnen sagt, was sie tun sollen, sondern dass man sie begleitet und ihren Mangel an eigenen Erfahrungen ausgleicht. Damit alle Familienmitglieder möglichst viel von dem bekommen, was sie für die bestmögliche Qualität ihres Lebens benötigen, ist es notwendig, ein Gleichgewicht zwischen den Bedürfnissen der einzelnen zu schaffen.
Dazu brauchen Eltern persönliche Autorität und müssen persönliche Verantwortung übernehmen (sich also nicht von Mutter oder Nachbarn beirren lassen, die vermeintlich alles besser wissen). Damit sind sie in der Lage, ihren Kindern klar zu signalisieren, was sie wollen und was sie nicht mögen. Wenn sie sich außerdem bemühen, herauszufinden, was ihre Kinder wollen und mögen, wird das ihr eigenes Selbstwertgefühl und das der Kinder steigern. So ist ein gewinnbringendes Lernen voneinander möglich.
Zu Machtkämpfen kommt es immer dann, wenn Kinder sich in ihrer persönlichen Integrität verletzt fühlen und versuchen, ihre Würde zu schützen. Mit einer zugewandten Führung schafft man es, dass Kinder darauf vertrauen, dass Eltern wissen, was sie tun und dass sie es zum Wohl der Gemeinschaft tun.

2 Sie können ihrem Kind vertrauen

Anders, als früher angenommen, sind Kinder keine primitiven, unkooperativen, unsozialen und unempathischen Wesen. Sie sind vielmehr darum bemüht, mit ihren Eltern zu kooperieren. Leider tun sie das nicht immer in der Form, die Eltern sich wünschen und oft wird das Kooperationsbemühen als solches auch nicht erkannt. Ein Dreijähriger, der seiner kleinen Schwester ständig an den Haaren zieht, versucht auf die für ihn am besten möglichen Weise zu zeigen, dass er ein Problem hat, weil er sich nicht mehr ausreichend gesehen und wertgeschätzt fühlt.
Selbst Lügen ist eine Form der Kooperation – Kinder versuchen häufig damit, Eltern vor negativen Empfindungen zu schützen. Für Kinder ist es wichtig, dass ihre Eltern ihnen achtsam begegnen und darauf vertrauen, dass sie stets in guter Absicht handeln.

3 Der Leitwolf und das innere Kind

Im dritten Kapitel des Buches stellt Jesper Juul die These auf, dass die meisten von uns noch keine ausgereiften Persönlichkeiten sind, wenn sie Kinder bekommen. Problematisch ist vor allem, dass wir selbst häufig in einem Umfeld aufwuchsen, das weniger liebevoll war, als wir es uns gewünscht hätten. Wenig Interesse und Aufmerksamkeit der Eltern, Gewalt, Strafen, Alkoholismus – wir sind daran nicht zerbrochen, weil wir uns irgendwie angepasst haben.
Wenn wir heute mit bestimmten Verhaltensweisen unserer Kinder konfrontiert werden, dann fällt es uns schwer, darauf liebevoll zu reagieren, wenn wir selbst früher in solchen Situationen hörten: „Nun stell dich nicht so an!“ Es ist die größte Herausforderung der Elternschaft, die eigene Kindheit so aufzuarbeiten, dass man in der Lage ist, für sein Kind das zu tun, wozu die eigenen Eltern nicht in der Lage waren.

4 Weibliche und männliche Führung

Anders als früher, spielt der Vater in Familien eine große Rolle. Untersuchungen haben gezeigt, dass Kinder – wenn sie gleichermaßen Zugang zu Mutter und Vater haben – keinen der beiden bevorzugen. Die Geschlechter haben verschiedene Arten zu führen – doch das verwirrt Kinder nicht, sondern bereichert sie. Vätern fällt es zudem oft leichter, ein Nein fest und bestimmt auszusprechen.

5. Frau und Mutter sein

Frauen tun sich generell schwerer damit, die Position des Leitwolfes zu übernehmen – auch in Unternehmen ist die Frauenquote in den Führungspositionen sehr niedrig. Durch die noch immer weit verbreitete Abwesenheit der Väter in den Familien, entsteht eine sehr enge Beziehung zwischen Müttern und Kindern. Das führt häufig dazu, dass sie ihre Bedürfnisse als Frau zurückstecken (müssen).

Wegen der Angst, als egozentrisch betrachtet zu werden, gelingt vielen Frauen die Loslösung von der vollkommenen Aufopferung, die sie üblicherweise bei der Betreuung der Kinder in den ersten 18 Monaten zeigen, nicht. Dadurch vereinsamen sie zunehmend, was auch zu Unzufriedenheit in der Partnerschaft führt.

Juul stellt fest, dass viele Frauen stark davon beeinflusst sind, zu braven, angenehmen, funktionierenden Wesen erzogen worden zu sein und daher Schwierigkeiten haben, ihre persönlichen Grenzen deutlich zu machen. Er ermutigt Frauen dazu, das Bedürfnis nach Bewertung abzulegen und das Selbstwertgefühl dadurch zu stärken, indem sie Verbindung zu sich selbst aufnehmen. Ziel sollte es sein, sich selbst zu mögen und zufrieden zu sein – nur so ist es möglich, eine erfolgreiche Führung zu übernehmen.

6. Wo sind die Männer und Väter?

Väter hatten in den letzten Jahrhunderten als Familienoberhaupt die Aufgabe, die Familie zu versorgen. Etwa 90 % der wachen Zeit der Kinder waren sie dabei abwesend. Das ändert sich zwar nach und nach, aber die meisten Frauen haben noch immer das Gefühl, dass sie quasi allein erziehend sind, weil ihnen letztendlich fast alle Entscheidungen obliegen und sie damit die komplette Verantwortung tragen. Das zu ändern lohnt sich jedoch.

7. Wollen wir wirklich starke und gesunde Kinder?

In den letzten Jahrzehnten ist es uns gelungen, das Leben von Kindern in vielen Belangen zu verbessern. Sie leben hierzulande größtenteils nicht mehr in Angst und Sorge und sie werden mehr und mehr gehört. Körperliche Bestrafungen gehören weitestgehend der Vergangenheit an. Die Eltern von heute wollen anders sein, als ihre eigenen Eltern.

Dennoch möchte ein Großteil der Eltern, Erzieher und Lehrer noch immer das selbe, wie ihre Eltern – nette, wohlerzogene und gehorsame Kinder, die sich anpassen und fügen. Sie versuchen zwar, das auf einem freundlichen, weniger gewaltvollen Weg zu erreichen, aber es ist dennoch das Hauptziel der meisten und es wird immer noch versucht, mit Macht zu erreichen.

8. Was hat Macht mit Führung zu tun?   

Der Gebrauch von Macht und Gewalt ist in den letzten 50 Jahren deutlich zurück gegangen. Dennoch findet man sie nach Juul noch immer in etwa 50 % aller Familien. Eltern, die sich als Kinder nicht geliebt und wertvoll gefühlt haben, fällt es schwer, andere Verhaltensweisen als die ihnen gegenüber vorgelebten, zu zeigen. Kinder kommen zur Welt und lieben ihre Eltern vollkommen bedingungslos. Doch bald schon beginnen diese, mit Macht und Manipulation das Verhalten der Kinder zu beeinflussen. Das Selbstwertgefühl – einer der wesentlichen Faktoren, im Leben wirklich glücklich zu sein – leidet sehr darunter. Daher sollten wir genau überlegen, wie wir unsere Führung ausüben. Kinder müssen nicht herumkommandiert werden – sie lernen ganz allein durch Ausprobieren und Nachahmen.

9. Die Zukunft Ihres Kindes ist jetzt

Wir wünschen uns für unsere Kinder physisches Wohlbefinden und dass sie über gute psychosoziale Kompetenzen verfügen. Sie sollen in ihrem Leben mit sich und anderen gut zurechtkommen. Man sollte meinen, dass das heute leichter zu erreichen ist, als jemals zuvor, doch die Gesellschaft leidet unter zunehmenden psychischen Erkrankungen, Missbrauch und Abhängigkeit – mit weiter steigender Tendenz. Dem können wir entgegensteuern, indem wir das Selbstwertgefühl unserer Kinder stärken und sie sich frei entfalten lassen.

Zu hohe Ansprüche an die Kinder und eine hohe Erwartungshaltung führen dazu, dass Kinder sich nicht okay fühlen, so wie sie sind. Sich nicht dafür zu interessieren, was Kinder denken und fühlen, führt dazu, dass diese oppositionelles Verhalten zeigen. Als Lösungen schlägt Juul vor, mehr Zeit mit Kindern zu verbringen, ohne sie zu belehren oder erziehen zu wollen und Langeweile zuzulassen, ohne sich genötigt zu fühlen, Unterhaltung anzubieten. Beim Ins-Bett-Bringen kann man Kindern von seinem Tag erzählen – sie werden es einem gleichtun. Beim Spielen sollte die Initiative stets vom Kind ausgehen und Pausen können einfach angenommen werden, ohne das Bedürfnis zu haben, sie füllen zu müssen. All das führt dazu, mit dem Kind stärker in Beziehung zu sein. 

10. Werte, die Führung schaffen

In diesem Kapitel wird angeregt, sich klar zu machen, welche Werte in der Familie wichtig sind. Für Kinder und die persönliche Autorität ist es wichtig, diese Werte konsequent zu vertreten. Einen Wandel unserer Werte nehmen wir oft nicht wahr – erst begegnen wir unserem Kind auf Augenhöhe – wenn es dann jedoch nicht tut, was wir sagen, reagieren wir häufig im Rahmen eines ganz anderen Wertesystems und drohen, erpressen oder werden unfreundlich.

Juul hält (mindestens) vier Werte für eine „gesunde“ Familie erforderlich: Gleichwürdigkeit, Authentizität, Integrität und Verantwortung, auf die auch kurz eingegangen wird (ganz ausführlich dazu hat er in seinem Buch „4 Werte die Kinder ein Leben lang tragen“ geschrieben). Da es keine allgemeingültigen Erziehungstipps gibt, die für jedes Kind und jede Situation passen, helfen die Werte einem dabei, Entscheidungen zu treffen. 

11. Erfolg durch Anpassung: unsere kollektive Illusion 

Kinder wollen kooperieren und sie passen sich an – das ist von unserer Elterngeneration dafür genutzt worden, Kinder gefügig zu machen. Das Selbstwertgefühl blieb dabei jedoch auf der Stelle. Das hat dazu geführt, dass die psychosoziale Gesundheit der Gesellschaft in einem erbärmlichen Zustand ist. 

In den letzten Jahren begegnet man zunehmend Kindern mit einem aufgeblähtem Ego das durch Verwöhnen (im Sinne von ausnahmslos jeden Wunsch erfüllen) oder überflüssiges Lob entstanden ist. Die Gesellschaft fördert zudem egiostisches Verhalten. Diese Kinder sind Egozentriker ohne Selbstwertgefühl. Geliebte und wertgeschätzte Kinder missachten andere nicht und fühlen sich weder minderwertig noch überlegen. 

12. Fallgruben für Leitwölfe

Alle Erziehungsmethoden haben negative Auswirkungen auf die Qualität der Beziehungen zwischen Eltern und Kindern, weil sie das Kind formen wollen. Es ist sinnvoller, möglichst viel über das eigene Kind und das eigene innere Kind herauszufinden. Authentizität ist dabei der Schlüssel – denn damit ist man in der Lage, durch das eigene Auftreten dem anderen zu zeigen, wer man ist und was man möchte. Die meisten Eltern – so Juul – spielen hingegen eine Rolle. Sie versuchen nett und vernünftig zu sein – doch die Kinder sind auf der Suche danach, wer ihre Eltern wirklich hinter der Fassade sind. Das häufig „Grenzen testen“ genannte Verhalten, ist Zeichen dieser Suche.

Abschließend geht es um fünf Fallstricke, die das Familienleben heutzutage erschweren: Harmoniedrang ohne negative Gefühle zuzulassen, Curling-Elternschaft, bei der die Eltern alle negativen Gefühle vor dem Kind wegwischen, den Weg des geringsten Widerstandes zu gehen, das ständige Kontrollieren und Überwachen (Helikopter-Eltern) oder das Kind zu einem Projekt zu machen.

13. Führung light: Teenagerzeit und das Kind als Erwachsener

In den letzten Jahrzehnten hat sich die Beziehung zwischen Eltern und Teenagern deutlich verbessert – es wird mehr denn je gewinnbringend miteinander geredet. Manche Eltern neigen jedoch dazu, bei den ersten pubertätsbedingten Problemen einen „Turbo“ bei der Erziehung einzulegen, um kurz vor Schluss noch das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Als Folge davon, entfremden sich die Beteiligten – es kommt zu Machtkämpfen, Regelbrüchen und unangemessenem Verhalten.

Als Teenager brauchen Kinder jedoch niemanden, der ihnen weiter vorschreibt, was sie zu tun haben – sie brauchen  nur eins: Vertrauen. Und dass Eltern erkennen, dass sie nicht mehr an vorderster Front gebraucht werden, sondern als Sicherheitsnetz im Hintergrund.

Meine Meinung zum Buch

Eltern sollen Kinder also „führen“ – das heißt: klare Signale aussenden und klar sagen, was sie wollen (und was nicht). Es ist für mich etwas schwierig nachzuvollziehen, dass es diesbezüglich weit verbreitete Defizite geben soll. Ich sehe vielmehr täglich Eltern, die sehr genau wissen, was sie wollen (viele davon vor allem ihre Ruhe) und das auch deutlich (in meinen Augen oft zu deutlich) kommunizieren. 

Etwas verwirrt haben mich die immer wieder an den Kapitelenden eingetreuten „Frag Jesper Juul“-Blöcke, weil sie nicht auf den ersten Blick erkennbar etwas mit dem vorherigen Text zu tun hatten. Das hat meinen Gedankenfluss etwas gestört – ebenso wie immer wieder sehr schwurbelige Ausdrucksweisen.

Dennoch enthält das Buch viele Gedankenanstöße und interessante Informationen – es ist schon sehr tröstlich, wenn Juul schreibt, dass die allerbesten Eltern, die er kennt, etwa 20 Fehler am Tag machen. Es macht auch nachdenklich zu lesen, dass statistisch nur 30 % dessen, was wir als Eltern tun oder sagen, tatsächlich dem Kindeswohl dient.

Das Buch ist kurzweilig und interessant zu lesen, konzentriert sich jedoch auf Eltern (bzw. vornehmlich Mütter), die ihre Führungsrolle, mangels Selbstwertgefühl, nicht ausreichend wahrnehmen. Ich entspreche nicht unbedingt der Zielgruppe, finde mich jedoch in den Schilderungen zum „inneren Kind“, das sich für seine Kinder eine andere Beziehung als damals zu den eigenen Eltern wünscht. Auch der kurze Abschnitt zu den Teenagern hat mich außerordentlich hell erleuchtet.

Alles in allem kann ich eine durchaus eine Leseempfehlung aussprechen – wer Juul mag, wird dieses Buch sehr wahrscheinlich mögen und wer noch nichts von ihm gelesen hat, wird mit zahlreichen neuen Gedanken in Berührung kommen, die das Familienleben bereichern werden. „

© Danielle


Ich wünsche Dir viel Freude und wundervolle Momente beim Schmökern.

Herzensgrüße zu Dir!

Heike

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