Sunday Inspiration

Bald geht sie wieder los – die Schule und der Schulstress.

Es ist nämlich ein Irrglaube, dass nur unsere Kinder Schulstress haben.

Heuer wollte ich es anders machen und ging voller Elan Schulsachen kaufen. Yes! Was war ich stolz auf mich. 🙂 Blöd nur, dass ich nicht an alles gedacht hatte, wie ich nun bemerkt habe. Also tue ich doch wieder das, was ich jedes Jahr tue: Am Nachmittag des ersten Schultages die restlichen Sachen kaufen. Fluchend, genervt und gestresst. Der jährliche Beginn MEINES Schulstresses. (weiter unten findest Du meine 3 Life Hacks zum Thema achtsame Stressreduktion)

Mit meinem Schulstress bin ich aber nicht alleine.

In vielen meiner Elterncoachings geht es im Herbst auch meist um die Frage: „Welche Strategien gibt es, um mit meinem (elterlichen) Schulstress besser umgehen zu können?“

Was uns Eltern stresst? Ein paar Alltagsbeispiele:

  • Pünktlich in der Früh das Haus verlassen zu müssen – am besten mit Kind 😉
  • Hausübungen – Hauuuusüüüübbbbuuuunnnngggggeeennnnnnnn, die sich den gesamten Nachmittag ziehen
  • Und ganz allgemein: Familie – Beruf – Partnerschaft – SelfCare unter einen Hut zu bringen – möglichst gerecht.

Wenn wir unter Stress stehen, dann „verlieren“ wir den Zugang zu unserem präfrontalen Kortex. In der Praxis bedeutet dies: wir können eine Situation nicht mehr unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachten, unsere Planungs- und Organisationsfähigkeit ist eingeschränkt und vor allem verlieren wir unser Einfühlungsvermögen. D.h. wenn wir unter Stress stehen, befinden wir uns im Reiz – Reaktions – Muster (Fight, Flight und Freeze). Wir nehmen dann mehr die negativen Emotionen wahr, da unser Gehirn den Fokus auf Negatives = Bedrohliches lenkt. Eine doofe Spirale entsteht. Wir können die Bedürfnisse unserer Kinder und auch unsere eigenen nicht mehr gut wahrnehmen (fehlendes Einfühlungsvermögen), reagieren auf der Grundlage unseres Flucht, Kampf oder Totstellen – Musters und interpretieren die Verhaltensweisen unserer Kinder tendenziell negativer.

Ein bekanntes Beispiel: Wir sitzen am Mittagstisch. Da ich am Vormittag wenig auf meine Bedürfnisse geachtet habe, sitze ich mit wirklich großen Hunger am Mittagstisch. Gleichzeitig merke ich, dass unsere Zaubermädchen ebenfalls hungrig und erschöpft sind. Und ich weiß, dass sie – wie so viele hochsensible Kinder bei Unterzuckerung und Erschöpfung – nicht mehr sehr kooperativ agieren können. Das stresst mich zusätzlich zu meinem Hunger. Es kommt wie es kommen muss: Fahrig wie man einfach ist, wenn man hungrig und müde ist, schüttet unser jüngeres Zaubermädchen ihr Glas um. Ich bin in meinem Stressmodus und am liebsten würde ich sie jetzt anmeckern:“Kannst Du nicht besser aufpassen etc…“ Im stressfreien Modus würde mir ein:“ Puh, wenn man hungrig ist, ist es schwer sich gut zu konzentrieren. Iss mal einen Bissen und ich schenk Dir derweil nochmals nach“ leichter fallen.

Was ich in solchen Situationen versuche?

Ich reibe meine Handflächen aneinander, atme bewusst die 5-7-8- Atmung oder trinke einen großen Schluck Wasser. Damit versuche ich in meine Körperwahrnehmung zu kommen. Denn unser Gehirn kann nicht gleichzeitig Stress und eine Körperwahrnehmung haben. (Vereinfacht ausgedrückt). Dies funktioniert immer – so fern ich mich in der Situation noch rechtzeitig abgestoppt habe. Aber jeder Tag ist ein neuer Tag zum Üben;-)

Sich innerlich immer wieder mit Deinem Kind verbinden.

Dazu mache ich täglich zwei Mini – Achtsamkeitsübungen. Denn je größer der Stress, desto leichter fällt man aus der Verbindung zu einander. Deshalb ist es mir sehr wichtig, mich gerade in stressigen Zeiten immer wieder innerlich mit unseren Zaubermädchen zu verbinden.

Übung #1

„Es ist so schön, dass Du geboren bist“ –

ich erinnere mich einmal täglich bewusst an dieses Gefühl und ich sag dies auch unseren Zaubermädchen.

Ich erinnere mich an die Freude, die ich hatte als der Schwangerschaftstest positiv war, oder an den Moment der ersten Ultraschalluntersuchung und den ersten Blick auf das pochende Herz, oder an das erste Kuscheln nach der Geburt etc. An manchen Tagen verbinde ich mich mit besonders freudvollen Augenblicke, die wir gemeinsam erlebt haben oder mit Situationen, in den wir herzhaft lachen mussten oder eingekuschelt unter einer warmen Decke Bilderbücher gelesen haben. Ich nehme mir Zeit mich bewusst mit dem Gefühl:“ Es ist so schön, dass es Dich gibt, dass Du geboren bist“ zu verbinden – für ein paar Minuten, völlig unkompliziert und genau dann, wenn es gut passt. Ohne Druck oder Zwang.

Übung #2

An Tagen, die wirklich anstrengend sind, die mich fordern, an denen ich einfach viele Dinge erledigen muss oder aber wenn Konflikte recht heftig waren, verbinde ich mich abends mit unseren Zaubermädchen – wenn sie schlafen. Dies ist ein Zeitpunkt, an dem sie nichts fordern, ich kann meine Anspannung gehen lassen und sie einfach nur in Ruhe betrachten. So ist es oft leichter, die Liebe zu erneuern und die Verbindung zwischen uns zu nähren. Einfach, still und doch tief berührend. Ich liebe das!

Diese kleinen Alltagsoasen haben mir schon sehr oft geholfen und sie werden auch im kommenden Schuljahr hilfreiche Begleiter in meinem Alltag sein.

Für Dich zum weiter nachdenken:

Welche kleine Handlung bringt dich mit Deinem Körper in Verbindung?

Wie kannst Du Deine Körperwahrnehmung bewusst aktivieren?

Welche Momente voller Freude fallen Dir mit Deinem Kind ein?

Wann habt ihr zuletzt ausgelassen gelacht?

Wie schaut Dein Kind im Schlaf aus?

Welche Schlafposition hat es?

Ich wünsche Dir eine achtsame Woche – mit Dir und Deiner Familie!

Herzensgrüße zu Dir!

Heike

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