Ängste, die uns daran hindern unsere Kinder bedingungslos zu lieben

und 3 Schritte, die uns von der Angst befreien können.

Teil 1 – Die Angst, Erwartungen von Außen nicht zu erfüllen

Wir lieben unsere Kinder und wollen nur das Beste. Wir wollen, dass es ihnen besser geht. Dafür tun wir fast alles.

Das Schwierige ist nur, dass das „Beste“ auf unseren Vorstellungen und Wünschen von Glück, Zufriedenheit, Erfolg etc. beruht. Damit wird die Beziehung zu unseren Kindern, völlig ungewollt zu einer Objektbeziehung. Wir machen unsere Kinder unabsichtlich zum Objekt unserer (gut gemeinten, oft auf Angst begründeten) Vorstellungen und Wünsche. Wir fallen aus unserem Vertrauen in uns und unsere Kinder. Und wir fallen gemeinsam aus der bedingungslosen Liebe.

Ich liebe Dich, weil Du bist WIE Du bist

Kinder müssen spüren, dass sie so wie sie sind, richtig sind. Dass sie um ihrer selbst willen und vor allem bedingungslos geliebt werden. Diese Erfahrung ist die wichtigste, die Kinder brauchen, denn: Nur wer in seiner Würde unangetastet bleibt, kann sein volles Potenzial ausschöpfen und erst dann kann man wirklich glücklich sein.

Kinder sind Entdecker und Gestalter – von Anfang an

Wenn wir uns das wieder vor Augen halten, und daran glauben, dass dies der Motor für die neuen/weiteren Schritte auf ihrem Lebensweg ist, dann können wir einen neuen Blickwinkel einnehmen.

„Wenn ich als Mutter verstanden hätte, dass das Wichtigste, das mein Kind mit auf die Welt gebracht hat, nicht Wissen oder Erkenntnis ist, sondern seine Freude am eigenen Entdecken, am eigenen und gemeinsamen Gestalten, dann weiß ich, dass ich alles darf, was ich aus meiner Lieber heraus […] machen möchte. Aber eines darf ich nicht: Ich darf nichts tun, was diese Freude im Kind unterdrückt.“ (Gerald Hüther)

Und das tun wir unabsichtlich, sobald wir Eltern ängstlich sind …

Wenn wir unsere Ängste auf unsere Kinder projizieren, können wir sie nicht mehr unvoreingenommen sehen. Dann betrachten wir unsere Kinder durch den Angstfilter.

Eine Angst, die uns immer wieder von der bedingungslosen Liebe sowohl zu uns, als auch zu unseren Kindern wegbringt, ist die Angst, den Erwartungen von Außen nicht gerecht zu werden. Weil die meisten von uns darauf konditioniert worden sind, sich die Anerkennung anderer zu verdienen, ist vieles im Umgang mit unseren Kindern (und uns selber) in dem Bedürfnis begründet, die Erwartungen anderer Menschen (eigene Eltern, Familie, Arbeitskollegen, Freunde) zu erfüllen.

In solchen Augenblicken „opfern“ wir die Bedürfnisse unserer Kinder für den Eindruck, den wir als Mama/ Papa/ Eltern bei anderen machen.

Alle Eltern kennen den folgenden Klassiker. Eine Frage, die einem als frisch gebackene, übermüdete Mama, im völligen Hormonchaos, überwältigt von der unbeschreiblichen Liebe und der nicht erahnten Verantwortung, verunsichert zurücklässt. Eine harmlose Frage, die im Nachhall weitere Fragen aufwirft. Eine Frage, die subtil impliziert, dass man als Mama/ Papa etwas falsch macht, wenn man die Frage mit „Nein“ beantworten muss. (Was in 99% der Fälle die absolute Norm ist!)

Die Frage?

„Und schläft er/ sie schon durch?“ *

Als Mama/ Papa ist man in dieser Zeit sehr zerbrechlich. Man versucht alles „richtig zu machen“, der „Auflage gute Eltern“ zu sein, zu entsprechen, man steht unter Druck und dann kommt diese Frage. In uns entsteht dann die Idee/ die Vorstellung, dass, wenn alle diese Frage stellen, es vielleicht wichtig sein könnte, dass unsere Kinder durchschlafen sollten. Wir fangen an zu glauben, dass wir etwas als Mama/ Papa falsch machen, da unser Kind nicht durchschläft. Und dann beginnt die Haltungsänderung. Wir betrachten zum ersten Mal unsere Kinder mit dem Blick der Erwartung. Eine Millisekunde lang keimt in uns das Gefühl „Kind ich hätte dich lieber, wenn Du mehr schlafen würdest“ und unabsichtlich drücken wir dies in weiterer Folge im nonverbalen Bereich aus. Die Sprache, die Kinder von Geburt an am besten verstehen.

Würde man dies direkt und in ehrlicher Bewusstheit formulieren, dann würde es heißen: „So wie Du gerade bist, mein geliebtes Kind, bist Du gerade nicht ganz richtig.“

Als mir diese Erkenntnis bewusst wurde, traf es mich zu tiefst. Ich kann mich noch genau erinnern. Tränen rannen mir übers Gesicht und voller Schuldgefühle bin ich dann abends an den Betten unserer Zaubermädchen gestanden und hab sie stumm um Entschuldigung gebeten. Und ich fasste den Entschluss an meiner bedingungslosen Liebe zu unseren Kindern, zu meinem Mann und vor allem auch zu mir, zu arbeiten. Dieses Thema liegt mir so sehr am Herzen und ich beschäftige mich seither intensiv damit. Zu aller erst wollte ich wissen, was fehlende bindungslose Liebe bei Kindern bewirkt.

Mama, lieb mich, wie ich bin!“

Wenn Kinder fühlen, dass sie nicht so geliebt werden, wie sie sind, dann wird die oben erwähnte Freude am sich Ausprobieren, Entdecken und Gestalten sofort unterdrückt und Kinder empfinden einen Schmerz, der ähnlich einem körperlichen Schmerz ist. Dieser Schmerz ist so groß, dass er noch im Gehirn von Erwachsenen nachgewiesen werden kann.

Die meisten Kinder reagieren auf diesen Schmerz damit, dass sie sich den Wünschen und Vorstellungen ihrer Eltern anpassen. Diese Anpassung, die den Versuch darstellt, nicht aus sozialen Verbindung zu fallen, wird im Kindergarten, in der Schule, Ausbildung, Beruf und Partnerschaft fortgeführt. Bis sich der Erwachsene, zumeist im Rahmen einer Midlife- Crisis zu fragen beginnt, ob dieses (angepasste/wenig lebendige) Leben alles ist.

All das wollen wir natürlich nicht für unsere Kinder, sondern wir wollen sie bedingungslos lieben, da wir auch in uns diese Sehnsucht nach bedingungsloser Liebe erkennen.

3 Schritte, um sich von der Angst zu befreien

Kurzum lässt sich festhalten:

Würde + Respekt + Wohlwollen = maximale Potenzialentfaltung = Glück

Gerald Hüther

Wenn es uns gelingt, unsere Kinder immer mehr bedingungslos zu lieben, ihnen mit Würde, Respekt und Vertrauen zu begegnen, können sie ihre mit gebrachten Talente und Fähigkeiten voll entfalten und bleiben (oder werden wieder), was für uns aus ganzen Herzen für sie wünschen:

glückliche Menschen

Welche Gedanken, Ideen und Anregungen hast Du in Bezug auf bedingungslose Liebe? Wie gehst Du mit Erwartung an Dich als Mama um? Was hilft Dir im Alltag, um gut bei Dir und Deinen Kindern zu bleiben?

Herzengrüße zu Dir!

Deine Heike

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