Entschleunigung – ein Allheilmittel?

Ist es tatsächlich so, dass wir uns nach Entschleunigung sehnen? Oder steckt hinter diesem Wunsch etwas ganz anders? Wollen wir wirklich überall Langsamkeit? Hat nicht auch Geschwindigkeit seinen Reiz?

Um was geht es wirklich?

Der Soziologe Hartmund Rosa hält fest, dass es bei der slow – Bewegung weniger um die Langsamkeit an sich geht. Vielmehr sei damit ein bewussterer Zustand gemeint, in dem wir danach streben, nicht alles ehest schnell, effizient oder kontrolliert zu managen. In diesem Zustand gelingt es uns nämlich leichter, sich von Begegnungen, von Orten, von Musik und von der Natur (wieder) berühren und inspirieren zu lassen. Diese Form der Inspiration stellt die Basis für ein kreatives, schöpferisches und erfüllendes Leben dar. Danach sehnen wir uns.

Wie aber gelingt nun das erfüllende (wieder) – berühren lassen? Wie können wir uns nachhaltiger Inspiration öffnen?

Das Zauberwörtchen ist Resonanz.

Resonanz, resonatia bedeutet Widerhall. Die Soziologie nimmt den ursprünglich physikalischen Begriff, um eine spezifische Beziehung als schwingendes System zu beschreiben. Diese Beziehung entsteht nur, wenn durch die Frequenz der einen Seite, die Eigenfrequenz der anderen Seite angeregt wird.

Kurz: Je offener wir wieder für Beziehungen, für Nähe, für Musik, für die Natur werden, desto mehr können wir in Resonanz gehen.

Desto mehr können wir die beruhigende Wirkung einer Umarmung, eines sanften Musikstückes, eines stabilen Baumes erfahren und in uns aufnehmen. Dies gelingt, wenn wir uns frei machen von Kontrolle, Effizienz und dem Anspruch stets „verfügbar“ zu sein. Denn erst wenn wir im Augenblick landen, wenn wir ganz präsent sind, dann ist es uns möglich, uns tatsächlich zu verbinden – mit der Natur, mit der Musik, mit meinem Partner, mit meinem Kind und vor allem mit mir.

Das ist es, nachdem wir uns alle sehen. Nach einer tragenden, erfüllenden Verbindung.

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